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Sinnvolle Einstellung

Kinderwunschbehandlung ist eine zielorientierte, aber ergebnisoffene Therapie. Die Suche eines Paares nach der „ausgefeiltesten“ inneren Einstellung ist Teil des Prozesses.

Wissenschaftliche Untersuchungen zu „innerer Einstellung und IVF-Erfolg“ gibt es weltweit kaum. Auch eine Korrelation zwischen Stress und Ausgang einer IVF-Behandlung konnte bei den untersuchten ersten zwei Behandlungen nicht nachgewiesen werden.

Auch die führenden deutschen IVF-Psychologen und Psychotherapeuten mit heute langjähriger IVF-Erfahrung setzen den „Psychofaktor“ mittlerweile niedrig an. Fast alle von ihnen hatten zu Beginn ihrer Arbeit die Vorstellung, dass die Psyche etwa zu 25 Prozent Einfluss auf den Ausgang der einzelnen Behandlung habe. Mit dem Erfahrungswissen aus durchschnittlich 20 Jahren Arbeit wurde diese Zahl auf etwa fünf Prozent herunterkorrigiert.

Das Ergebnis einer schwedischen Studie aus dem Jahr 2005 mit 139 Frauen weist in die gleiche Richtung. Sowohl der durch die Behandlung induzierte psychologische Stress, wie auch ein allgemein beeinträchtigtes psychisches Wohlbefinden machte die künstliche Befruchtung bei den untersuchten ersten zwei Versuchen nicht weniger erfolgreich. Auch der Zusammenhang „wenn ich gelassener wäre / wenn meine Frau gelassener wäre, würde die IVF besser klappen“ kann psychologisch nicht bestätigt werden.

Negative Gedanken in der Wartephase schaden nicht der Einnistung! 

Der „Bio-Faktor“ (Embryonenqualität) ist weit größer als der „Psychofaktor“!

Wer mit unweigerlich vorkommenden „negativen Gedanken“ ganz sichergehen möchte, sollte sie zulassen statt zu verdrängen. Körperliche Spannung entsteht durch erfolglose Angst-Verdrängungsversuche.

Offenes Akzeptieren von schwierigen Gefühlen ist hilfreich:
  • Ich kann nicht nicht daran denken!
  • Es ist so wie es ist – und es ist in Ordnung so.
  • Der Ausgang des Versuches ist jedoch durch nichts zu beeinflussen.
  • Es ist ein Versuch – nicht mehr und nicht weniger.
  • Ich kann nur etwas loslassen, was ich zuvor festgehalten habe.
  • IVF-Behandlung ist ein zeitlich begrenzter innerer Ausnahmezustand.
  • Ich kann nichts falsch machen.
  • Der Embryo ist der entscheidende Dritte.
In einer IVF-Behandlung sind für viele Frauen Ängste und negative Gesamtszenarien die größte Belastung. Zentral ist dabei die Angst, dass es nie „klappt“. Psychologisch gesehen ist dies eine reale Angst – im Gegensatz zu einer neurotischen Angst.

Diese Angst zu verdrängen ist ein zum Scheitern verurteiltes Unternehmen. Da positives Denken nicht auf Knopfdruck funktioniert, gibt es im Wesentlichen drei Möglichkeiten mit ihr umzugehen:

Sie zu begrenzen
  • Reden Sie mit einer „positiven“ Person möglichst zeitnah darüber.
  • Verzichten Sie phasenweise auf die Kinderwunsch-Foren, da dabei das Thema neurobiologisch ständig aktualisiert wird.
  • Rufen Sie sich die realistische Chanceneinschätzung aus „besseren Tagen“ und das eigene Durchhaltevermögen in Erinnerung.
Sich abzulenken
  • Unterbrechen Sie die Gedanken sobald sie auftauchen, statt sie zu kultivieren.
  • Machen Sie gezielt etwas anderes (Aufräumen, Telefonieren, Wellness-Anwendung).
  • Packen Sie angenehme Tätigkeiten und kleine tägliche Rituale in die Wartephase.
Sich damit auseinanderzusetzen, "was wäre, wenn es wirklich nie klappt?"
  • Welche Projekte und Träume warten in Ihrem Leben darauf umgesetzt zu werden?
  • Bedenken Sie den möglichen Parallelweg Adoption möglichst früh, wenn er für Sie infrage kommt.
  • Versichern Sie sich Ihres Partners / Ihrer Partnerin und der gemeinsamen Zukunft auch ohne Kind.
Eine späte Erkenntnis und die sinnvollste Einstellung ist die, dass Kinderwunsch nur das drittschlimmste Problem im Leben ist. Blicken Sie auf das, was Sie haben: Gesundheit und Liebe innerhalb der Partnerschaft.

 


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