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Partnerschaft

Unerfüllter Kinderwunsch verändert die Partnerschaft. Die Unbeschwertheit schwindet und die monatlichen Negativerfahrungen belasten. Gleichzeitig ist die Partnerschaft die größte Kraft-Quelle bei der Bewältigung der Fertilitätsstörung. Paare, die intuitiv wissen, dass sie es „so oder so“ miteinander schaffen, kommen mit dem ergebnisoffenen Ausgang des Kinderwunsches besser zurecht als Paare, deren Grundsatzentscheidung füreinander weniger stabil ist.

Außerdem gibt es zwei wesentliche Unterschiede:
  • Die Diagnoseträgerschaft ist zu 70–80 Prozent einseitig verteilt: Ein Partner schränkt mit seinem Problem das Leben und die Familienplanung des anderen ein.
  • Frauen verfügen über andere Bewältigungsmechanismen als Männer, und Männer wünschen sich anders Kinder als Frauen.
Verstrickungen

Wenn die ursprüngliche Hoffung auf eine rasche Lösung des Kinderwunschproblems schwindet und wenn eventuell noch wiederholter IVF-Misserfolg als Stressor hinzukommt, kommt es nicht selten zu Partnerschaftsproblemen. Viele Paare benennen in dieser Phase „Kommunikation“ als ihr Problem.

Das Problem Kinderwunsch fordert eine Neuverteilung der Kräfte innerhalb der Beziehung. Typische und zum Teil sich überschneidende Konstellationen bei unerfülltem Kinderwunsch sind:

Hilfloser Mann – unglückliche Frau (oder starker Mann – schwache Frau)
  • Der Mann erreicht seine Frau nicht mehr.
  • Er beschwichtigt und vermeidet das Thema, ist aber innerlich beteiligt.
  • Die Frau ist in einer Abwärtsspirale aus Angst und depressiven Reaktionsmustern, die auch zu einem inneren Rückzug vom Partner führt.
Autonome (selbstständige) Frau – autonomer Mann
  • Beide Partner können nur wenig Schwäche voreinander zeigen.
  • Kinderwunschbehandlung wird tendenziell zur einsamen Sache der Frau.
  • Überbetonung von medizinischen Aspekten, Vernachlässigung der emotionalen Bedeutung.
Aktive Frau – passiver Mann
  • Aus unterschiedlichen Gründen distanzierter Mann.
  • Frau übernimmt den Kinderwunsch für beide.
  • Die Frau wird zur Antreiberin, der Mann wird indifferent oder bremst.
  • Nach und nach entstehen Wut und Einsamkeitsgefühle bei der Frau.
  • Der Mann hat das Gefühl, (in vielen Bereichen) übergangen zu werden.
Es gibt auch zentrale innere Fragen beider Partner, die sie nur selten laut stellen:
  • „Was denkt mein Mann wirklich? Und was sagt er nur?“
  • „Wird meine Frau das je überwinden? Wird sie immer in diesem Zustand sein, wenn wir kein Kind bekommen?“
Diagnoseträgerschaft

In der Paardynamik macht es einen Unterschied, wer von beiden Partnern der so genannte „Diagnoseträger“ ist (wer ist medizinisch Schuld?). Für den in seiner Fruchtbarkeit eingeschränkten Partner steht in der Schockphase der Unterschied im Vordergrund: „Ich schränke das Leben des anderen ein“ und „Vielleicht werden wir wegen mir nie ein Kind haben“. Für den nicht-betroffenen Partner ist die Gemeinsamkeit wichtig: „Es hätte genauso gut an mir liegen können“ und „Es ist unser Problem – nicht Dein Problem“.

Der subfertile (in der Fruchtbarkeit eingeschränkte) Partner denkt vielleicht über die „Freigabe“ des anderen nach, während der fertile Partner die Beziehung zusammenhält. So fällt in dieser Phase der veränderten Bedingungen meist eine tiefgreifende Neuentscheidung füreinander.
 
Eine einseitige Diagnoseträgerschaft ist ein Einschnitt auf der „Geben- und Nehmen“-Achse einer Paarbeziehung. Psychologisch gibt es keine „Schuld“, sehr wohl jedoch ein „Schuldgefühl“, um das der Partner wissen muss.

Insgesamt sind vier Situationen möglich:

Eingeschränkter Mann – fertile (fruchtbare) Frau  

Die ICSI-Therapie wird angewendet bei stark eingeschränkter Samenfunktion des Mannes. Die innere Balance des Paares gelingt am besten, wenn der Mann seine Einschränkung in anderen Bereichen ausgleichen kann, zum Beispiel dadurch, dass er ein aufmerksamer, zugewandter und liebevoller Partner ist. Nichtsdestotrotz ist auch hin und wieder Wut auf Seiten der Frau ein normales Gefühl in dieser Konstellation.

Für den betroffenen Mann ist es oft schwer auszuhalten, welche Belastungen seine Frau auf Grund seiner Diagnose auf sich nehmen muss. Mitarbeiter in IVF-Zentren berichten in diesem Zusammenhang, dass ICSI-Männer entweder sehr engagiert und präsent oder seltener sehr kompliziert und fordernd sind.

Eingeschränkte Frau – fertiler Mann

Diese Konstellation hat eine wichtige Besonderheit: Frauen mit Eileiterverschluss, Endometriose, PCO oder Ähnlichem neigen dazu, die Belastungen der Kinderwunschbehandlung mit sich alleine auszumachen und den Partner außen vor zu lassen. Frauen schonen ihren Mann nach dem Motto „es liegt an mir und ich werde behandelt – also belaste ich ihn möglichst wenig.“

Manche Frau erinnert sich gut an die Erleichterung ihres Mannes als ihm ein normales Spermiogramm attestiert wurde.
Die meisten Männer fühlen sich jedoch besser, wenn sie integriert sind und wenn sie genau wissen, wie sie ihre Partnerin unterstützen können.  

Beide Partner sind eingeschränkt

Dies ist die psychologisch leichteste Kombination. Beide Partner haben für sich eine Diagnose anzunehmen und keiner von beiden schränkt den anderen ein. Viele Paare können es auch mit Humor sehen: „Da haben sich die zwei Richtigen gefunden“.

Wie bei allen anderen Kinderwunschpaaren geht es darum, das Problem grundsätzlich zu akzeptieren und das Beste daraus zu machen. Vorteil dieser Konstellation ist, dass sie in der Partnerschaft weitgehend frei von Schuldgefühlen ist.

Beide Partner haben keine Einschränkung

Überraschenderweise ist dies für das Paar meist die schwierigste Diagnose, da die Suche nach subjektiven Sterilitätsursachen hier Blüten treiben kann: Sind es innere Blockaden aus der Kindheit oder ist die Paarbeziehung als solche „unfruchtbar“? Die rein psychogene Fertilitätsstörung ist jedoch eher selten. Weniger als fünf Prozent aller Kinderwunschpaare sind davon betroffen. 

Ein Denken in drei Richtungen ist hier von Vorteil:
  • Häufig ist es der Alters- und nicht der Psychofaktor.
  • Es gibt noch nicht diagnostizierbare Ursachen.
  • Die Befruchtungsfrage lässt sich definitiv erst bei der ersten IVF in der Petrischale klären.
Das Positive an dieser Konstellation ist, dass es meist zwei Möglichkeiten gibt schwanger zu werden – spontan oder mit Hilfe der Fortpflanzungsmedizin.

 


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