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Trauer
In der Hauptkinderwunschphase ist ein Leben ohne
Kind typischerweise fast unvorstellbar. Hier prägt sich oft die
falsche Vorstellung, dass ohne Kind der Schmerz und das Leid in
dieser Intensität ein Leben lang anhalten. Von außen betrachtet ist
die Phase vor Aufgabe des Kinderwunsches die
belastendere. In einer Form von „vorauseilender Trauer“ wird in der
schleichenden Desillusionsphase des frustrierend verlaufenden
Kinderwunsches bereits viel der endgültigen Trauerarbeit
vorweggenommen.
Die Psyche verfügt jedoch über bewusste und unbewusste
„Reparaturmechanismen“:
- Anpassung an ein nicht zu veränderndes
Lebensereignis.
- Orientierung auf Neues und
Erreichbares.
- Wertschätzung dessen, was man hat:
Partnerschaft und Gesundheit.
Bildhaft gesprochen, ist in späteren Jahren der
Kinderwunsch keine offene Wunde mehr, sondern nur mehr eine
Narbe.
Rituale
Rituale helfen, Übergänge im Leben zu
gestalten. Sie sind symbolische Handlungen in Lebenssituationen,
die schwer in Worte zu fassen sind.
Rituale benötigen eine besondere Vorbereitung und eine
exklusive Zeit und oft ein passendes Objekt. Der Gegenstand, der
den Abschied vom Kinderwunsch symbolisiert, sollte an einem
ausgewähltem Ort fern Ihrer häuslichen Umgebung einem Element –
Wasser, Luft, Erde – übergeben werden.
- Sie können spezielle Lichter in der Strömung
eines Flusses mitziehen lassen.
- Sie können einen kleinen Stein für das Kind
gravieren lassen, das nie gekommen ist und diesen in einer
Berglandschaft hinterlassen.
- Pflanzen eines Baumes oder eines blühenden
Strauches an einem abgeschiedenen Ort, an dem sich die Pflanze wie
selbstverständlich in die Natur integriert.
Trauerarbeit ist ein Sammelbegriff für eine
Vielzahl an Gefühlen: Chaos, Wut, Verzweiflung, Schuld, Angst,
Leere etc. Das klassische Trauermodell beschreibt einen „Durchgang“
durch vier oder fünf Phasen, an dessen Ende die Neuorientierung
steht. Neuere Trauertheorien gehen mehr von individuell sehr
unterschiedlichen und von störungsanfälligen Prozessen aus, bei
denen Rückschritte normal sind und positive Verdrängung ihren Platz
hat.
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