|
|
|||||||||||
![]() |
![]() |
||||||||||
Forum Fertinet |
![]() Therapie des Kinderwunsches Welche prinzipiellen Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Einschränkungen der Zeugungsunfähigkeit des Mannes? Was verbirgt sich hinter der Abkürzung GIFT? Wie läuft die Gewinnung der Eizellen bei der IVF- und ICSI-Therapie ab? Kann eine Einschränkung der männlichen Fruchtbarkeit auch mit alternativen Therapieformen behandelt werden? Was ist eine heterologe Insemination und wann kommt sie als Sterilitätsbehandlung infrage? Beruf und Sterilitätstherapie – manchmal schwer zu vereinbaren? Warum beginnt eine IVF-Behandlung häufig mit einer so genannten Down-Regulation und was versteht man darunter? Wie wirkt das in der Fertilitätstherapie häufig eingesetzte Medikament Clomifen? Was versteht man unter dem Begriff "Assisted Hatching"? Wie sollte man sich nach einem Embryotransfer verhalten, um das Eintreten einer Schwangerschaft zu begünstigen? Was versteht man unter den Abkürzungen MESA beziehungsweise TESE? Was kann die Reproduktionsmedizin verglichen mit der natürlichen Fruchtbarkeit leisten? Worin besteht der Unterschied zwischen biotechnologisch hergestellten und aus Urin gewonnenen Hormonpräparaten? Ist eine Schwangerschaft nach assistierter Reproduktion (also zum Beispiel IVF / ICSI) eine so genannte Risikoschwangerschaft? Was sind so genannte GnRH-Analoga und wann können sie in der Kinderwunschbehandlung zum Einsatz kommen? Die Entscheidung zur assistierten Befruchtung (IVF) ist getroffen – wie sieht jetzt eigentlich ein typischer Ablauf für die Patientin aus? Wie viele Zyklen können mit einer Clomifen-Behandlung durchgeführt werden? Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei einer Gelbkörperschwäche in der zweiten Zyklushälfte? Ist es sinnvoll, vor oder während einer IVF- / ICSI-Behandlung flüssigkeitsgefüllte Eileiter (Sactosalpinx) entfernen zu lassen? Welche Medikamente gibt es, die die Eireifung anregen und den Eisprung auslösen können? Was versteht man unter einer "Insemination"? Welche prinzipiellen Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Einschränkungen der Zeugungsunfähigkeit des Mannes? In bestimmten Situationen kann versucht werden, die gestörte Samenbildung durch Medikamente anzuregen. Liegt zum Beispiel eine Entzündung als Ursache der verminderten Samenproduktion von Hoden oder Nebenhoden vor, ist eine Behandlung mit Antibiotika erforderlich. In seltenen Fällen bilden einige Männer zu wenig Hormone, so dass die Hoden auf Grund eines Mangels an LH und FSH nicht genügend Spermien produzieren. In diesen Fällen können Hormonspritzen die Samenbildung anregen. Findet man keine konkrete Ursache für die mangelnde Samenproduktion, können verschiedene Substanzen eingesetzt werden, die die Samenbildung anregen sollen. Allerdings kann nicht in allen Fällen – insbesondere bei stärker ausgeprägten Störungen – mit einem Erfolg der Behandlung gerechnet werden. Kommt man mit der medikamentösen Therapie nicht weiter, müssen andere Methoden der Reproduktionsmedizin zur Anwendung kommen. Bei der assistierten Befruchtung (IVF) etwa werden Samenzellen und Eizellen außerhalb des Körpers befruchtet und damit die Chancen einer Befruchtung erhöht. Was verbirgt sich hinter der Abkürzung GIFT? Die Abkürzung GIFT steht für „gamete intrafallopian transfer“, das heißt Übertragung von Ei- und Samenzellen in den Eileiter – den natürlichen Ort der Befruchtung. Die Vorbereitungen der GIFT-Behandlung entsprechen in etwa denen der IVF-Therapie. Nach hormoneller Stimulation werden Eizellen transvaginal – also durch die Scheide – unter Ultraschall punktiert. Die so gewonnenen Eizellen werden dann kurz darauf zusammen mit den Spermien mit einem dünnen Katheter in den Eileiter eingesetzt – meist erneut von der Scheide aus durch die Gebärmutter. Voraussetzung für diese Behandlung ist, dass zumindest ein Eileiter durchgängig und funktionsfähig sein muss. Die GIFT-Therapie wird zum Beispiel bei verminderter Fruchtbarkeit des Mannes, immunologischer Sterilität oder auch bei Paaren mit ungeklärter Sterilität angewendet. Die Schwangerschaftsraten werden mit zirka 25 Prozent angegeben. Wie läuft die Gewinnung der Eizellen bei der IVF- und ICSI-Therapie ab? Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten der Eizellgewinnung: Zum einen die Eizellentnahme via Bauchspiegelung, die zwingend in jedem Fall eine Vollnarkose voraussetzt, zum anderen die Punktion der Eibläschen (Follikel) durch die Scheide (transvaginal). In den vergangenen Jahren hat sich in Deutschland die Eizellentnahme durch die Scheide durchgesetzt, die ambulant, komplikationsarm, sicher und gegebenenfalls sogar ohne Narkose durchgeführt werden kann – wenn auch viele Zentren wegen der besseren Schmerzfreiheit eine Kurznarkose bevorzugen. Die transvaginale Punktion erfolgt unter Ultraschallkontrolle. An die Ultraschallsonde, die in die Scheide eingeführt wird, wird eine spezielle Punktionshilfe befestigt. Man kann dann über den Monitor des Ultraschallgerätes die Punktion der einzelnen Eibläschen verfolgen und die Position der Punktionsnadel genau kontrollieren. Zusammen mit der Flüssigkeit, die sich im Inneren des Follikels befindet, wird die Eizelle abgesaugt und kann hinterher unter dem Mikroskop beurteilt werden. Nach einer kurzen Beobachtungszeit kann die behandelte Patientin in der Regel das Behandlungszentrum wieder verlassen, da Komplikationen wie Blutungen oder Infektionen nur extrem selten vorkommen. Kann eine Einschränkung der männlichen Fruchtbarkeit auch mit alternativen Therapieformen behandelt werden? Insbesondere in Asien, vor allem in China, werden unfruchtbare Männer mit den Methoden der Akupunktur oder der Anwendung von Heilkräutern oder anderen pflanzlichen Stoffen behandelt und es wird immer wieder von großen Erfolgen derartiger Methoden berichtet. Bisher gibt es jedoch nur wenige Daten aus unseren Breiten, die auf Ergebnissen von kontrollierten Studien beruhen. Damit ist derzeit nicht bewiesen, dass es bei der eingeschränkten männlichen Unfruchtbarkeit eine sicher erfolgversprechende Alternative zu der derzeitigen schulmedizinischen Behandlung, nämlich der assistierten Befruchtung (IVF / ICSI), gibt. Erfolge der Behandlung mittels Akupunktur oder Homöopathie bei Männern mit eingeschränkter Fruchtbarkeit müssen derzeit als Einzelfälle verstanden werden – abschließend kann die Anwendung der alternativen Verfahren erst beurteilt werden, wenn Untersuchungsbefunde vorliegen, wie sie auch von schulmedizinischen Methoden oder Medikamenten gefordert werden. Was ist eine heterologe Insemination und wann kommt sie als Sterilitätsbehandlung infrage? Unter einer heterologen Insemination versteht man das Einspritzen von Spendersamen über einen Katheter direkt in die Gebärmutter. Die Behandlung kommt dann infrage, wenn der männliche Partner zeugungsunfähig ist oder auf Grund einer schweren Erberkrankung keine eigenen Kinder zeugen darf. In diesem Fall besteht die Möglichkeit, anonym gespendetes Sperma von einer Samenbank zu Behandlung zu verwenden. Um zu vermeiden, dass mit dem Fremdsperma Infektionskrankheiten wie Hepatitis, HIV etc. übertragen werden können, werden die Samenspender zuvor entsprechend untersucht und die Samenproben tiefgefroren gelagert. Entschließt sich ein Paar zur heterologen Insemination, wird in der Regel versucht, einen Samenspender auszuwählen, der in wichtigen Punkten des Erscheinungsbildes (zum Beispiel Augenfarbe, Haarfarbe, Hautfarbe) dem Partner der zu behandelnden Patientin gleicht. Die Patientin erhält meist eine leichte hormonelle Stimulation, um die Heranreifung einer Eizelle im Behandlungszyklus sicherzustellen. Nach Ultraschall- und Blutergebnissen wird der günstigste Zeitpunkt für die Insemination festgelegt und das aufgetaute Sperma über einen dünnen Katheter in die Gebärmutter eingespritzt. Man kann – normale Fruchtbarkeit der Frau vorausgesetzt – davon ausgehen, dass ungefähr 70 Prozent der behandelten Frauen innerhalb eines Jahres schwanger werden. Beruf und Sterilitätsbehandlung – manchmal schwer zu vereinbaren? Je nachdem, welche Art von Sterilitätstherapie durchgeführt werden soll, kann unter Umständen für das betroffene Paar ein erheblicher Zeitaufwand entstehen. Insbesondere die betroffenen Frauen müssen zum Beispiel bei der Vorbereitung zur IVF-Behandlung meist mehrmals pro Woche bis täglich zu Kontrolluntersuchungen beim behandelnden Arzt. Dies ist häufig nur schwierig mit festen Arbeitszeiten zu vereinbaren, auch wenn viele Behandlungszentren den Patienten mit flexibler Termingestaltung entgegenkommen. Für manche Patienten stellt sich die Frage, ob es günstiger ist, den Arbeitgeber von der anstehenden Therapie zu unterrichten oder die medizinische Behandlung zu verschweigen. Einerseits ist es verständlich, dass die meisten Arbeitgeber von der Aussicht auf Arbeitsausfall sowie möglicherweise Mutterschaft und eventuellen Erziehungsurlaub nicht gerade begeistert sind. Anderseits kann es schwierig sein, die Kinderwunschbehandlung geheimzuhalten. Die Notwendigkeit, immer wieder Fehlzeiten zu begründen und neue Entschuldigungen zu finden, kann über die medizinische Behandlung hinaus zusätzlichen Druck erzeugen. Für manche Betroffene erscheint es in diesem Zusammenhang als Lösung, die Berufstätigkeit ganz aufzugeben. Allerdings ist dieser Entschluss dann problematisch, wenn die Kinderwunschbehandlung nicht erfolgreich abgeschlossen werden kann. Gerade dann ist eine Berufstätigkeit ein möglicher Ansatzpunkt für die weitere Lebensgestaltung. Warum beginnt eine IVF-Behandlung häufig mit einer so genannten Down-Regulation und was versteht man darunter? In vielen Fällen wird die IVF-Behandlung mit der Anwendung von Medikamenten aus der Gruppe der so genannten GnRH-Agonisten begonnen. Man verabreicht diese Substanzen entweder als Nasenspray oder als Spritze schon im Zyklus vor dem eigentlichen IVF-Zyklus, das heißt bevor mit der eigentlichen Stimulation der Eizellen begonnen wird. Die Wirkung der Medikamente beruht auf einer zeitlich begrenzten Blockade der Hirnanhangsdrüse (= Down-Regulation), die im Normalfall die Hormone LH und FSH abgibt und somit die Eireifung anregt. Das Ausschalten der körpereigenen Eireifungsvorgänge für einen begrenzten Zeitraum hat den Vorteil, die für die IVF-Behandlung notwendige Stimulation der Eizellen besser „von außen“ steuern und synchronisieren zu können und Probleme, beispielsweise den vorzeitigen körpereigenen LH-Anstieg, besser zu beherrschen. Seit Anwendung der GnRH-Agonisten in der IVF-Therapie hat sich die Erfolgsquote der Therapie deutlich verbessert, insbesondere mussten weniger Zyklen wegen Stimulationsproblemen abgebrochen werden. Wie wirkt das in der Fertilitätstherapie häufig eingesetzte Medikament Clomifen? Bei dem Präparat Clomifen, welches seit Jahren häufig und erfolgreich in der Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit eingesetzt wird, handelt es sich um eine synthetische Substanz, die mit bestimmten Östrogenen verwandt ist. Die Einnahme von Clomifen bewirkt, dass vom Körper selbst mehr Gonadotropine ausgeschüttet werden, also körpereigene Hormone, die für die Eireifung verantwortlich sind. Clomifen ist deshalb vor allem in solchen Fällen geeignet, in denen zwar eine Eireifung stattfindet beziehungsweise beginnt, diese aber mangelhaft oder ungenügend ist. Unter dem Einfluss des Medikamentes wird der Körper zu gesteigerter Eireifung angeregt, in deren Folge dann meist auch eine Ovulation erfolgt. Clomifen wird in Form von Tabletten verabreicht. Die Einnahme, die sich über fünf Tage erstreckt, beginnt zwischen dem dritten und fünften Zyklustag. Der Erfolg der Behandlung wird durch Ultraschalluntersuchungen und gegebenenfalls Blutentnahmen kontrolliert. Der Eisprung kann zusätzlich durch eine Spritze eines eisprungauslösenden Hormons (hCG) unterstützt werden. In Fällen überschießender Reaktion auf die Substanz (Heranreifen mehrerer Eizellen) kann eine Mehrlingsschwangerschaft drohen, so dass in solchen Fällen die Behandlung abgebrochen und ungeschützter Geschlechtsverkehr vermieden werden sollte und gegebenenfalls bei einem nächsten Versuch die Dosis reduziert werden muss. Abgesehen von möglichen Mehrlingsschwangerschaften sind ernsthafte Nebenwirkungen der Behandlung selten. Gelegentlich treten während der Therapie Kopfschmerzen, leichte Sehstörungen, Hitzewallungen, Unterleibsschmerzen oder Eierstockszysten auf – alle diese Nebenwirkungen verschwinden in der Regel spätestens nach Ende der Behandlung wieder von selbst. Üblicherweise bleibt die Anwendung der Clomifen-Therapie auf sechs Anwendungszyklen beschränkt, da darüber hinaus nur noch selten mit einer Schwangerschaft zu rechnen ist. Global wird bei der Anwendung von Clomifen von einer Schwangerschaftsrate von rund 15 Prozent ausgegangen. Was versteht man unter dem Begriff "Assisted Hatching"? Bei dem so genannten Assisted Hatching handelt es sich um eine neue Technik im Rahmen der assistierten Befruchtung (IVF). Ebenso wie die unbefruchtete Eizelle ist auch der frühe Embryo von der so genannten Zona pellucida, einer dünnen Haut, umgeben. Um die Einnistung des Embryos zu ermöglichen, muss sich die Hülle eröffnen, daher der Name Hatching (bedeutet im Englischen „Schlüpfen“). Möglicherweise ist das Ausbleiben der Eröffnung der Zona pellucida für das Nichterfolgen der Einnistung verantwortlich. Daher wird versucht, zum Beispiel mit Hilfe eines Lasers, die Zona pellucida der befruchteten Eizelle vor dem Embryotransfer in Form eines „Lochs“ zu öffnen und so die Implantation zu unterstützen. Es muss betont werden, dass sich diese Methode noch im Stadium der Erprobung befindet und darüber hinaus noch unklar ist, welche Frauen von dieser Methode insbesondere profitieren könnten. Wie sollte man sich nach einem Embryotransfer verhalten, um das Eintreten einer Schwangerschaft zu begünstigen? Die Empfehlungen zum Verhalten der Patientin nach dem Embryotransfer bei einer IVF variieren stark. Letztendlich ist nicht bewiesen, dass eine bestimmte Verhaltensweise die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft tatsächlich positiv beeinflusst. In vielen Zentren wird den behandelten Frauen trotzdem empfohlen, am Tag des Embryotransfers vermehrt zu liegen und sich auch an den darauf folgenden Tagen körperlich zu schonen. Stärkere Kreislaufbelastung, zum Beispiel Saunabesuche, heiße Wannenbäder oder extreme sportliche Aktivitäten, sollen in dieser Phase des Wartens vermieden werden. Auch für die Psyche der Patientin kann sich eine solche Ruhephase positiv auswirken. Für die Einnistung als solche kann man leider wenig tun; es nistet sich auch in der Natur statistisch gesehen nur jede vierte befruchtete Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut ein, so dass man nicht die Schuld bei sich suchen sollte, wenn nicht gleich bei der ersten Behandlung eine Schwangerschaft eintreten sollte. Die Einnistung ist der Schritt der Behandlung, der am wenigsten zu beeinflussen ist, weder durch medizinische Therapie noch durch eigenes Verhalten. Was versteht man unter den Abkürzungen MESA beziehungsweise TESE? In manchen Fällen wird auf der Suche nach Ursachen für die ungewollte Kinderlosigkeit festgestellt, dass beim Mann überhaupt keine Spermien im Samenerguss vorhanden sind. Dies kann zum Beispiel bei inoperablen Samenleiterverschlüssen oder nach Hodentumoroperationen der Fall sein. In solchen Fällen kann eine Behandlung mit Hilfe von MESA oder TESE möglich sein. MESA steht für epididymale Spermienaspiration, also die Entnahme von Spermien aus dem Nebenhoden. TESE steht für testikuläre Spermienextraktion, das heißt die Gewinnung von Spermien aus dem Hoden. In beiden Fällen ist für die Entnahme von Nebenhoden- oder Hodengewebe ein kleiner chirurgischer Eingriff – unter Umständen mit Narkose – notwendig. Werden Spermien gefunden, die für die Befruchtung geeignet sind, können diese beziehungsweise das gewonnene Gewebe tiefgefroren werden. Beide Verfahren müssen dann mit einer künstlichen Befruchtung im Sinne einer Mikroinjektion kombiniert werden. Was kann die Reproduktionsmedizin verglichen mit der natürlichen Fruchtbarkeit leisten? Damit Paare, die eine Sterilitätstherapie beginnen, realistisch einschätzen können, welche Chancen sie auf die Erfüllung ihres Kinderwunsches haben, sollten sie eine Vorstellung von den natürlichen Fertilitätsraten eines gesunden Paares bekommen. Es ist logisch, dass auch die beste, unter optimalen Bedingungen ablaufende Therapie nicht mehr als maximal die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit erreichen kann wie unter vergleichbaren Bedingungen ohne Sterilitätsursachen. Die Wahrscheinlichkeit des Eintretens einer Schwangerschaft pro Zyklus beträgt selbst unter günstigen Bedingungen, das heißt bei normaler Fortpflanzungsfähigkeit von Mann und Frau, im Durchschnitt nicht mehr als 30 Prozent. Wenn also heute durch moderne Methoden der Fortpflanzungsmedizin wie der IVF Erfolgsquoten von bis zu 30 Prozent erreicht werden können, muss das als großer medizinischer Fortschritt gewertet werden. Worin besteht der Unterschied zwischen biotechnologisch hergestellten und aus Urin gewonnenen Hormonpräparaten? In der Sterilitätstherapie, unter anderem, in der Stimulation bei der In-vitro-Fertilisation (IVF), hat die Anwendung der Gonadotropine FSH und LH ihren festen Stellenwert. Bisher wurden diese Hormone aus dem Urin von Frauen in den Wechseljahren gewonnen. Trotz aufwendiger Reinigungsverfahren gelingt es nicht, die Hormone vollständig von Verunreinigungen durch im Urin enthaltene Fremdstoffe zu trennen. Das bedeutet, dass bei Anwendung der aus Urin gewonnenen Hormone nie eine 100-prozentige Hormonwirkung zu erwarten ist. Darüber hinaus wird es zunehmend schwieriger, geeigneten Urin zu sammeln – zum einen wegen der gestiegenen Nachfrage nach den Hormonpräparaten, zum anderen auch, weil zunehmend Frauen in den Wechseljahren Hormone einnehmen, die die Ausscheidung von FSH und LH beeinflussen. Mit Hilfe der Gentechnik können jetzt Hormone unabhängig vom Rohstoff Urin im Labor hergestellt werden. Bisher existiert zur allgemeinen Anwendung das so genannte rekombinante FSH, nachdem in den 90er-Jahren die Isolierung der Gene, die die FSH-Synthese regulieren, gelang. Die Vorteile des rekombinanten FSH sind seine unbegrenzte Verfügbarkeit in gleichbleibender Qualität sowie die hohe Reinheit und damit gute Verträglichkeit. Allergische Reaktionen sind nicht zu erwarten. Darüber hinaus besteht die Hoffnung, mit der Anwendung des rekombinanten FSH über eine effektivere Stimulation und damit eine höhere Anzahl von Eizellen, die pro Punktion entnommen werden können, die Schwangerschaftsrate bei der IVF zu verbessern. Ist eine Schwangerschaft nach assistierter Reproduktion (also zum Beispiel IVF / ICSI) eine so genannte Risikoschwangerschaft? Tritt nach Anwendung von Methoden der assistierten Reproduktion eine Schwangerschaft ein, sollte möglichst frühzeitig im weiteren Verlauf geklärt werden, ob es sich um eine normal angelegte Schwangerschaft handelt. Wird durch Ultraschall festgestellt, dass eine in der Gebärmutter gelegene Frühschwangerschaft mit einem Embryo und Herzaktionen vorhanden ist, kann davon ausgegangen werden, dass sich der Verlauf der Schwangerschaft nicht von dem Verlauf einer natürlich eingetretenen Schwangerschaft unterscheidet. Tritt eine Mehrlingsschwangerschaft ein (in ein bis vier Prozent der Fälle Drillinge, in 15 bis 20 Prozent Zwillinge), muss allerdings etwas häufiger mit Komplikationen gerechnet werden, so dass diese Schwangerschaften intensiver betreut werden sollten und als Risikoschwangerschaften gelten. Ein erhöhtes Missbildungsrisiko scheint nach derzeitigem Kenntnisstand für Kinder, die nach IVF geboren werden, nicht zu bestehen. Damit ist eine Untersuchung der Chromosomen des Kindes (zum Beispiel Fruchtwasseruntersuchung) nicht unbedingt erforderlich, in der Regel wird die Indikation in Rücksprache mit den zukünftigen Eltern jedoch großzügig gestellt. Was sind so genannte GnRH-Analoga und wann können sie in der Kinderwunschbehandlung zum Einsatz kommen? Unter GnRH-Analoga versteht man Medikamente, mit deren Hilfe die Sekretion der Hormone LH (luteinisierendes Hormon) und FSH (follikelstimulierendes Hormon) aus der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) unterdrückt wird. Diese Hormone steuern Eireifung und Eisprung und sind damit indirekt auch für die Produktion der weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron verantwortlich. In bestimmten Situationen ist es wünschenswert, den Blutspiegel der Östrogene auf ein Niveau zu senken, das einer Frau in den Wechseljahren entspricht. Dies ist zum Beispiel dann notwendig, wenn eine Endometriose diagnostiziert worden ist und nach einer Operation Reste der Endometrioseherde hormonell nachbehandelt werden sollen. Da die Endometriose östrogenabhängig wächst, führt die Herstellung von „künstlichen Wechseljahren“ in vielen Fällen dazu, dass die Endometriosereste verschwinden und nach Ende der Behandlung die Chancen einer Schwangerschaft steigen. Ähnliches gilt für große Myome (Muskelgeschwulst in der Gebärmutter), die ebenfalls einer Schwangerschaft im Wege stehen können. Hier kann versucht werden, die Myomknoten zuerst durch eine Therapie mit GnRH-Analoga zu verkleinern und anschließend operativ zu entfernen. GnRH-Analoga werden auch bei der assistierten Befruchtung (IVF) eingesetzt: Vor Beginn der Stimulation kann die körpereigene Steuerung der Eierstocksfunktion durch GnRH-Analoga außer Kraft gesetzt und damit die Stimulation erleichtert werden. GnRH-Analoga können auf verschiedene Art und Weise verabreicht werden: Möglich ist die Gabe als Nasenspray (meist täglich) oder als Spritze (als einmaliges Depot oder auch öfter). Klassische Nebenwirkungen der GnRH-Analoga sind Erscheinungen, wie sie typischerweise in den Wechseljahren auftreten, also Hitzewallungen, Schwitzen, Schlafstörungen etc. Alle Nebenwirkungen bilden sich nach Ende der Therapie wieder vollständig zurück. Die Entscheidung für eine assistierte Befruchtung (IVF) ist getroffen – wie sieht jetzt eigentlich ein typischer Ablauf für die Patientin aus? Nach dem entscheidenden Gespräch mit dem behandelnden Arzt wird der Patientin üblicherweise ein Behandlungsplan ausgehändigt. Als erster Schritt erfolgt die hormonelle Behandlung, die sich in zwei Teile gliedert. Die so genannte „Down-Regulation“, also das Blockieren der körpereigenen Steuerung der Eierstocksfunktion, beginnt häufig schon in der zweiten Hälfte des der Stimulation vorangehenden Zyklus; entweder in Form von Spritzen oder als Nasenspray. Nach dem Einsetzen der Periode beginnt, zum Beispiel am dritten Zyklustag, die Stimulation der Eierstöcke mit Medikamenten, die gespritzt werden. Die Behandlung wird unter Ultraschallkontrollen so lange fortgesetzt, bis ausreichend Eizellen herangereift sind. Da es IVF-Zentren nicht in jeder Stadt gibt und um einen zu großen Zeitaufwand für die Patientin zu vermeiden, können Kontrolluntersuchungen in Absprache mit dem Kinderwunschzentrum manchmal auch vom ortsansässigen betreuenden Frauenarzt durchgeführt werden. Die Eizellentnahme erfolgt in der Regel ambulant und meist mit einer kurzen Vollnarkose. Danach kann die Patientin fast immer nach Hause gehen. Nach zwei bis drei Tagen erfolgt das Einsetzen der Eizellen, die inzwischen im Labor mit dem Samen des Ehemannes befruchtetet wurden. Dieser so genannte Embryotransfer erfolgt ebenfalls ambulant und in der Regel ohne Narkose. Der Patientin wird dann meist eine gewisse körperliche Schonung für die nächsten Tage empfohlen. Die Einnistungsphase wird entweder durch die Gabe von Gelbkörperhormonen (Tabletten oder Scheidenzäpfchen) oder durch die Gabe des Hormons hCG (Spritzen) unterstützt. Bleibt die nächste Periodenblutung aus, wird durch Ultraschall und Bestimmung des Schwangerschaftshormons im Blut untersucht, ob eine Schwangerschaft eingetreten ist. Wie viele Zyklen können mit einer Clomifen-Behandlung durchgeführt werden? Es ist möglich, bis zu sechs Zyklen mit dieser Hormontherapie durchzuführen. Es sollte aber vor der Behandlung abgeklärt sein, ob das Spermiogramm des Mannes normal ist und ob es keine gegenseitige Beeinträchtigung zwischen Sperma und Gebärmutterhalsschleim gibt. Ansonsten würde auch in dieser Hinsicht zusätzlicher Behandlungsbedarf bestehen. Während der Behandlung sollten Ultraschallkontrollen durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass sich nicht mehr als zwei bis drei Eibläschen gebildet haben, so dass es nicht zu höhergradigen Mehrlingsschwangerschaften kommen kann. Länger als sechs Monate soll die Clomifen-Therapie nicht dauern, um negative Einflüsse des Medikamentes auf die Gebärmutterschleimhaut und den Gebärmutterhalsschleim zu verhindern. Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei einer Gelbkörperschwäche in der zweiten Zyklushälfte? Hier gibt es drei Möglichkeiten: 1. Man kann alleine das Gelbkörperhormon ersetzen. Medikamente mit hochdosiertem Gelbkörperhormon können in Form von Tabletten oral eingenommen oder in Form von Zäpfchen in die Scheide eingeführt werden. Als sinnvoll hat sich die Kombination beider Verabreichungsformen herausgestellt. 2. Man kann das Hormon hCG (Schwangerschaftshormon), welches häufig zum Auslösen des Eisprungs gespritzt wird, nach dem Auslösen noch bis zu drei Mal im Abstand von drei Tagen in der Dosierung 5.000 oder 10.000 Einheiten spritzen. Auch dies unterstützt die Funktion des Gelbkörpers. Eine Kombination mit der unter 1. genannten Therapie ist möglich. 3. Man kann ein Kombinationspräparat aus weiblichem Hormon (Östradiol) und Gelbkörperhormon (Progesteron) verabreichen. Dies gibt es zurzeit in Form von Depotspritzen, die in den Muskel gespritzt werden. Ist es sinnvoll, vor oder während einer IVF- / ICSI-Behandlung flüssigkeitsgefüllte Eileiter (Sactosalpinx) entfernen zu lassen? Sollten bis zu zwei Versuche der oben genannten Behandlung nicht erfolgreich gewesen sein, ist es sinnvoll, die Sactosalpinx operativ zu entfernen. Es hat sich in mehreren Studien gezeigt, dass die Flüssigkeit in den Eileitern durch die hormonelle Stimulation zunehmen kann, manchmal zeigt sich diese Flüssigkeitsansammlung sogar nur unter Stimulation oder zur Zeit des Eisprungs. Man vermutet, dass durch diese Flüssigkeit ein negatives Milieu entsteht, welches das Eintreten einer Schwangerschaft erschweren oder sogar verhindern kann. Wurde die Sactosalpinx operativ entfernt – in der Regel geschieht dies, indem man einen Teil des Eileiters entfernt –, sind die Chancen auf eine Schwangerschaft größer; auch dies konnte in den oben erwähnten Studien aufgezeigt werden. Welche Medikamente gibt es, die die Eireifung anregen und den Eisprung auslösen können? Wenn trotz sonst normaler Hormonwerte kein spontaner Eisprung stattfindet, kann die Eireifung an den Eierstöcken durch verschiedene Medikamente angeregt werden. In vielen Fällen wird dazu zunächst die Substanz Clomifen eingesetzt. Es handelt sich hierbei um ein Medikament in Tablettenform, welches in der Regel vom fünften bis neunten Zyklustag eingenommen wird. Der Arzt kann dann per Ultraschall und gegebenenfalls an Hand von Hormonwerten verfolgen, ob Eibläschen am Eierstock heranreifen und ob ein Eisprung erfolgt. Manchmal ist es auch sinnvoll, den Eisprung durch eine Spritze mit dem Hormon hCG, das dem körpereigenen eisprungauslösenden Hormon entspricht, auszulösen. Sollten die Eierstöcke auf eine Behandlung mit Clomifen nicht ansprechen, kann eine Behandlung mit Hormonen der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) angezeigt sein. Das follikelstimulierende Hormon (FSH) wird in Form von Injektionen verabreicht, wobei die Patientin das Spritzen auch selbst erlernen und durchführen kann. Das ist heute mittels eines vorgefüllten Pens problemlos möglich. Genau wie bei der Therapie mit Clomifen muss auch diese Behandlung engmaschig vom Arzt kontrolliert werden, um gegebenenfalls die Dosierung der jeweiligen Reaktion des Eierstocks anpassen zu können. Was versteht man unter einer "Insemination"? Eine Insemination ist eine Behandlung, bei der der Arzt zum Zeitpunkt des Eisprungs mittels eines dünnen Plastikschlauches Sperma in die Gebärmutter der Frau injiziert. Handelt es sich hier um das Sperma des Ehemannes, spricht man auch von einer so genannten „homologen Insemination“. Das Sperma kann allerdings auch von einem anonymen Spender stammen („heterologe Insemination“), zum Beispiel in dem Fall, in dem der Ehemann absolut zeugungsunfähig ist. Eine Insemination ist medizinisch gesehen eine insgesamt relativ wenig aufwendige Behandlung. Nachdem der Arzt festgestellt hat, zu welchem Zeitpunkt der Eisprung zu erwarten ist, wird das speziell aufbereitete Sperma direkt in die Gebärmutter gespritzt. Dazu ist keine Narkose notwendig und die Behandlung kann ambulant durchgeführt werden. Eine Insemination ist zum Beispiel dann als Behandlungsversuch sinnvoll, wenn die Samenuntersuchung Einschränkungen der Fruchtbarkeit des Mannes aufzeigt. Auch bei Veränderungen am Gebärmutterhals (zum Beispiel schlechte Schleimqualität oder Antikörperbildung) kann in manchen Fällen eine Insemination erfolgreich sein. |
||||||||||
|
|||||||||||